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Teil 4:   Der Burgberg 


Aus den Anfängen:

Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs entwickelte sich in der Folgezeit in der Bevölkerung ein intensiveres Nationalbewusstsein.

Es wurden in vielen Lebensbereichen der Bevölkerung Vereine gegründet. Es entstanden freiwillige Feuerwehren, Turnvereine, Gesangvereine und auch Heimatvereine zur Pflege der Tradition, Kultur und Historie. Vielerorts wurden Bismarcktürme errichtet.

Auch in Lichtenberg und seinen Nachbargemeinden folgte man diesem Trend. Zur Pflege und Erhaltung der auf dem Burgberg vorhandenen Burgruine, der Burg Heinrich des Löwen, erbaut zwischen1170 und 1180, zerstört 1552 von Vollrad von Mansfeld. Die Burg war nach ihrer Zerstörung ein Ruinenfeld. Diese Ruine war als Steinbruch frei gegeben. Einige Gebäude der Domäne Lichtenberg, nach der Zerstörung der Burg jetzt Amtssitz geworden, wurden aus den Bruchsteinen der Burgruine errichtet, ebenso die Domänenmauer. Auch Mauern und Fundamente einiger Häuser in Lichtenberg wurden aus diesen Steinen errichtet.

Zur Ordnung und zum Erhalt der verbliebenen Ruinenteile, sowie zur Wiedererrichtung des Bergfrieds fanden sich Bürger zusammen, um sich dieser Aufgabe zu widmen. Als erstes Bauvorhaben wurde der Fahrweg zum Burgberg befestigt. In der Grundsteuerrolle 1874 - 1881 ist auf dem Burgberg eine „Baugesellschaft Lichtenberg“ mit einem Restaurationsgebäude ohne Wohnraum verzeichnet. Dieses Restaurationsgebäude war wohl nur eine mehr oder weniger massive Holzhütte. Sie diente als Unterstand und Ausschank bei Treffen und Veranstaltungen. In den Anfängen gab es keine feste Bewirtschaftung. Die Belieferung von alkoholischen Getränken erfolgte im Wechsel durch die Wirte vom Zollhaus und Gasthof zur Linde. Als erster fester Wirt ist ein Carl Ackenhausen überliefert. Dieser ging 1892 nach Halberstadt; sein Nachfolger wurde Heinrich Miehe.

1892 wurde der „Verschönerungsverein Burgberg Lichtenberg“ gegründet. Gründungsmitglieder waren u.a. der Reichstagsabgeordnete Landwirt Albert Schwerdtfeger (Osterlinde) als Vorsitzender, Amtmann Langenstraßen (Domäne Lichtenberg) als Geschäftsführer, sowie weitere Honoratioren, welche auch mit größeren Summen Geld für die gesetzten Ziele einbrachten.

Am 31. März 1893, einem Karfreitag, brannte die Holzhütte auf dem Burgberg ab.

Der neu gegründete Verschönerungsverein war nun gefordert, für das abgebrannte Gebäude, viel eher als ursprünglich geplant, zeitnah Ersatz zu schaffen, denn der Burgberg und die umliegenden Buchenwälder in Lichtenberg mit ihren Wanderwegen wurde als Ausflugsziel immer beliebter.

 Bericht über die Burg Lichtenberg in einem Braunschweiger Journal, erschienen 1911

Werbung für die Burg Lichtenberg



          Vermessungsriss Blatt 1: 

Lageplan mit Maßen der Gebäude des "Gastronomiebetriebes Burgberg Lichtenberg" als Grundlage des Pachtvertrages

Erstellt 1898 für die Herzogliche Forstbehörde, geprüft vom Herzoglichem Forstamt Lichtenberg, anerkannt für den Verschönerungsverein Burg Lichtenberg durch Oberamtmann A. Langenstrassen.



Vermessungsriss Blatt 2:     Lageplan mit Maßen und Flächengrößen

Der im oberen Teil des Bildes als Fußweg bezeichnete Weg mit Einstieg am Waldkurhaus, im Volksmund  als "Zick-Zack-Weg" bezeichnet, wurde von fast allen Besuchern und Gästen des Burgbergs fußläufig genutzt.

Quelle: Salzgitter Lichtenberg "Im Spiegel der Historie"


1893/94 wurde ein Wohnhaus mit Gaststätte und kleinem Saal errichtet. Des Weiteren wurde ein Pavillon (Veranda) mit Ausschank und Wohnraum im Obergeschoß errichtet (1893/94).

Zur Wichtigkeit dieses Bauvorhaben ist überliefert, dass der ausführende Bauunternehmer und Zimmermann C. Ottmar aus Gebhardshagen sich vertraglich verpflichtet hatte, bei nicht fristgerechter Fertigstellung des Wohnhauses zum 7. Oktober und des Saales zum 20. Oktober 1894, für jeden Tag Überziehung eine Entschädigung von 10 Mark täglich zu zahlen.

Zur Wasserversorgung wurde der alte ca. 80m tiefe Burgbrunnen wieder gereinigt, hergerichtet und 1924 mit einem Brunnenhaus versehen.

1895 wurde rechts neben der Toreinfahrt zur Vorburg (heute Standort des Containers vom Förderverein) ein Pferdestall errichtet; für das Nutzvieh der Wirtsleute und, wie auch bei anderen Ausflugslokalen, als Unterstellmöglichkeit für die Reit -und Kutschpferde der Gäste. 1926 wurde an den Pferdestall ein Wagenschauer angefügt.

Erster Wirt im neuen Haus war der vorherige Gastwirt Heinrich Miehe.



Postkarte von 1900:

runder Bildausschnitt:

Blick aus Richtung Norden auf Gaststätte und Saal


unterer Bildausschnitt:

links Ruinen, dahinter Pavillon (Veranda) mit Ausschank, Wohnraum im Obergeschoß


rechts:

Wohngebäude mit Gaststätte und Biergarten



Postkarte von 1899: Ansicht auf Lichtenberg und Burgberg Richtung Süden



Vergrößerung des "lyrischen Testes" der oberen Postkarte


1902 wurde die Gaststätte zur Neuverpachtung ausgeschrieben.

Am 1. Juli 1902 begann die Zeit der Pächterfamilie Semp über drei Generationen.



Fotopostkarte von 1906 mit Familie Hermann Semp sen. im Biergarten vor dem Ostgiebel der Gastwirtschaft.



Fotopostkarte von 1906: 

Gesamtansicht Ruinen, Bergfried, Gastronomiegebäude und Biergarten Burg Lichtenberg



Unter der Bewirtschaftung der Familie Hermann Semp sen. nahm der Gastronomiebetrieb des Burgbergrestaurants einen schnellen Aufstieg.

Tanzvergnügen zu Ostern und Pfingsten, „Heiratsmärkte“, Platzkonzerte, Veranstaltungen der örtlichen Vereine und Vereine aus dem Umland, trugen dazu bei. Am Wochenende wurde ein Sonderzug aus Braunschweig eingesetzt.




Festveranstaltungen des Landwehrvereins Salder 1907 und 1912 auf dem Burgberg.


Eintrittskarten und Programm zu Jubiläumsveranstaltungen "Landwehrverein*  Amt Salder"

( * Landwehrverein:

Vereinigung von Reservisten, welche ihren Wehrdienst absolviert oder an Kriegen teilgenommen haben. Gründung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Intensiv wieder aufgelebt nach dem Krieg 1870/71.

Ihre Ideale lt. alter Vereinssatzungen:

Liebe und Treu für Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland ............

Anhänglichkeit an die Kriegs- und Soldatenzeit im Sinne kameradschaftlicher Gesinnung aufrecht zu erhalten.)



Bis 1931 waren Familie Maria und Hermann Semp Senior die Wirtsleute.

Ab 01. April 1931 wurde die Gastronomie von Hermann Semp Junior mit seiner Frau Elsbeth weitergeführt. Der Pachtvertrag lief immer über 6 Jahre, nur der Pachtzins wurde jeweils angepasst.

In diese Zeit fällt die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Neben den üblichen Feiern und Veranstaltungen wurde der Burgberg auch von dieser Partei zu Großveranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern genutzt. 1933 wurde das Schlageter Kreuz eingeweiht. (Standort heute : „Kanzel Salzgitter“)

Albert Leo Schlageter, ein von den Nationalsozialisten glorifizierter „Widerstandskämpfer“ nach dem 1. Weltkrieg, als die links rheinischen Gebiete durch die Franzosen lt. Versailler Vertrag besetzt waren.

Zu diesem Anlas wurde von Hermann Semp jun. eine Postkarte aufgelegt.

Postkarte:  Schlageter – Kreuz - aufgelegt von H. Semp jun.


Das Denkmal wurde zum Kriegsende von den Alliierten zerstört. Danach wurde Anfang der 1950 Jahre von Kriegsheimkehrern aus Baumstämmen das „Heimkehrer Kreuz“ errichtet. Die Abmessungen waren so enorm (senkrecht 9 m, waagerecht. 6 m), dass dieses Kreuz mit 4 Stahlseilen abgespannt wurde. Nach der Wiedervereinigung wurde dieses durch den Verband „Politisch Verfolgter des Kommunismus e.V.“ durch ein neues Kreuz ersetzt.



Fotopostkarte: Bergfried mit Hakenkreuz


Da die Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen nicht mehr ausreichten, wurde der Tanzsaal 1933/34 erweitert.

1934 wurde ein Küchenanbau erstellt, um die steigenden Anforderungen an die Gastronomie weiterhin zu bewältigen. Das Wasser aus dem Burgbrunnen war wegen seiner Qualität nicht mehr nutzbar. Das Trinkwasser musste jetzt per Wasserfass und Pferdegespann aus Altenhagen geholt werden.

Nach dem Krieg ging das gesellschaftliche Leben weiter.



1952 feierte die Familie Semp ihr 50-jähriges Betriebsjubiläum, der Verschönerungsverein sein 60-jähriges Bestehen mit der bekannten Kapelle Pinkanelle aus Wolfenbüttel und einem großen Jubiläumsball.

Als Hermann Semp jun. 1956 starb, trat seine Frau mit Ihrer Tochter Annemarie in den Pachtvertrag ein. Der Pachtvertrag beinhaltete auch das Recht, den Bergfried gegen Eintrittsgeld (10 Pf.) Besuchern zugänglich zu machen.

An den Sommerwochenenden war der Besucherandrang im Lokal und Biergarten sehr groß. Für Gäste, welche mit dem Fahrrad angereist waren, zur damaligen Zeit ein Wertgegenstand und häufig genutztes Verkehrsmittel, wurde ein bewachter Fahrradstand angeboten. Gegen kleine Bezahlung konnten die Fahrräder in sichere Obhut gegeben werden (50 Pf. pro Tag, 30 Pf. pro ½ Tag).

Seit 1920 wurde das Burgbergrestaurant an das Stromnetz der Überlandzentrale Helmstedt angeschlossen. Durch die externe Lage mussten die Anschlusskosten vom Verschönerungsverein selbst getragen werden. Eine erhebliche finanzielle Belastung.

Im Jahr 1954 erfolgte auch der Anschluss an das örtliche Wasserleitungsnetz. Eine extra dafür gebaute Pumpstation, westlich in den Berghang, garantierte den nötigen Wasserdruck. Der später gebaute Schmutzwasserkanal-Anschluss in das Ortsnetz ermöglichte den Einbau zeitgemäßer Toiletten. Die bisherigen Toiletten im Erdgeschoß unter dem Tanzsaal wurden nicht mehr benötigt.


Fotopostkarte von 1922: Biergarten mit Pavillon und Wirtshaus - am Pavillon links der Ausschank


Bis etwa Mitte der 1970er Jahre waren die bekannten Tanzveranstaltungen, mit der „legendären“ Hauskapelle  „Die Schwarzen Raben“ ,  zu Ostern, Tanz in den Mai, Himmelfahrt, Pfingsten, Weihnachten, immer bestens besucht.

Jedes Jahr in der Adventszeit wurde für die Lichtenberger Bevölkerung im Saal von der Volksschule ein Weihnachtsmärchen aufgeführt.



Postkarte von 1955:  Blick vom Parkplatz auf den Saal und die Gaststätte

rechts:

Garage, dahinter der Pavillon

vorn links:  

das Symbol des "Wirtschaftswunders"



Anzeige in der Festschrift   "100 Jahre Lichtenberg"    1957



Postkarte von 1977


Nach dem Tod von Frau Semp wurde die Wirtschaft von ihrer Tochter, jetzt Annemarie Hitz und ihrem Mann Rudi Hitz, bis 1976 weitergeführt.

Von 1976 bis 1982 waren die Eheleute Cornelia und Rainer Dettbarn Pächter.

1980 feiert Lichtenberg ein großes Burgfest. Die örtlichen Vereine beteiligten sich mit Ständen daran, ausgerichtet nach dem vorgegebenen historischen Motto. Zu diesem Burgfest wurde die Herzogin Viktoria Luise, Tochter des letzten Kaisers Wilhelm II.  und Prinzessin zu Braunschweig – Lüneburg, als Ehrengast eigeladen.

Es folgten bis zum Verkauf der Immobilie noch einige Pächter,

Fricke, Dollas, um einige zu nennen.

Der Wohnraum über dem Musikpavillon, welcher über eine Naturtreppe zum Bergfried zu erreichen war, wurde bis 1988 von einer Gruppe der Naturfreunde aus Salzgitter Thiede als Heim benutzt.


Postkarte von 1985 mit vier Ansichten:  (Wirtin Barbara Dollas)

oben links: 

Gasthaus mit Saal

oben rechts:

Blick vom Biergarten in die Ebene, Fredenberg mit Salzgittersee

unten links:

Terrasse, Biergarten Nordseite

unten rechts:

Tanzsaal nach der Renovierung mit Trennwänden


1988 wurde das Lokal an Herrn Peter Paunovic verkauft. Durch den neuen Besitzer wurde der Pavillon abgerissen. An seiner Stelle wurde ein Hotel errichtet, das „Waldhotel Burgberg“.

Es entstand ein Biergarten mit Grillplatz und Ausschank. Man hatte von hier aus einen herrlichen Blick über den Ort Lichtenberg bis weit in die Ebene.

Da es in der näheren Umgebung inzwischen nur noch wenige Räumlichkeiten mit dem Raum- und Platzangebot wie den Burgbergsaal gab, wurde der Saal gern für Hochzeitsfeiern, Vereinsveranstaltungen, wie die „Blau Gelbe Nacht“ des MTV Lichtenberg, oder die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenberg genutzt.

Neue Pächter ab dem 15. Oktober 1988 sind Gudrun Schönecke und Uwe Lotze.

Es folgten im Laufe der Zeit im Wechsel noch weitere Pächter, wie für mehrere Jahre die Familie Dombrowski.

links: Hotelbau, errichtet auf der Fläche des ehemaligen Pavillons/Veranda



Ostgiebel der Gaststätte, rechte Seite Erweiterungsbau der Küchenräume von 1934, darüber Clubräume


Blick Richtung Osten auf das Hotel.:

  • hinter dem Gebäude der Burggarten und das „Verließ“;
  • linke Bildhälfte: ein Teil des Bier–/ Kaffeegartens


Bis zum Verkauf des Anwesens wurde der Gastronomie- und Hotelbetrieb von der Familie Paunovic betrieben.

2019 gab es einen Besitzerwechsel. Herr Otto Rui aus Braunschweig war nun der neue Eigentümer.

Dieser musste zur Umsetzung seines Konzeptes umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten im Gasthaus, Saal und Hotel mit den dazugehörigen Funktionsräumen sowie den Außenanlagen vornehmen, was eine zeitnahe Wiedereröffnung verhinderte.

Die COVID 19 – Pandemie mit ihren Auflagen, Fachkräftemangel im Handwerk und Materiallieferengpässen trugen ebenfalls mit dazu bei.

Der örtlichen Presse war am 12. März 2022 zu entnehmen, dass die Burgberggastronomie, unter der Bezeichnung „Peak Hotel“ , ab dem 1. April 2022 als Restaurant und Hotelbetrieb mit Wellness Bereich  den Gästen wieder zur Verfügung steht. Das Pächterehepaar, Nicole und Philip Schwalm, freut sich auf die Gäste.


Nach umfangreichen Renovierungs– und Sanierungsarbeiten ist der Gastronomiebetrieb auf dem Burgberg am 01. April 2022 wiederaufgenommen worden.